Wofür ich oft für meine Verhältnisse zuviel, aber niemals sinnlos Geld ausgebe, ist für’s Reisen.
Ich suche Begegnungen mit Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen und das “Auf-mich-selbst-zurückgeworfen-sein”. Das passiert bei einer Reifenpanne im 45 Grad heißen Outback Australiens, oder mit einem geliehenen Jeep unterwegs in den Slums von Kairo und plötzlich im Morast steckenbleibend. Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft in solchen Momenten zu erfahren, ist berührend.
Hinter einem alten Nomaden-Mann, in der Wüste Sinai, durch einen unterirdischen Lehmgang ins Innere einer verschütteten Pyramide, zu robben…
Reisen bedeutet für mich, mir zu begegnen, mich zu erfahren, um mich kennenzulernen und mir Unterschiede zwischen Menschen und menschlichem Erleben zu vergegenwärtigen.
Es hilft mir aktiv zuhören zu können, losgelöst von den eigenen Erfahrungen und Neigungen, wenn ich mich erinnere an die Vielfalt von Lebensentwürfen und Lebensweisen, und wie Menschen Herausforderungen begegenen bzw. daran scheitern.

Immer und immer wieder, Staunen darüber, wie Lebensgeschichten sich zusammenweben, wo die Fäden hinführen und wo sie herkommen. In dem Sinne bin ich eine Wissenssammlerin. Das meiste findet sich in den hintersten Läden der Menschen. Diese geheimen Schubladen werden nicht sofort geöffnet, dafür braucht es großes Vertrauen. Und, das ist nicht das, was Menschen mit Tramaerfahrungen schon mitbringen, viel eher ein Urmißtrauen.

Unterwegssein in fremden Ländern oder im Praxisraum teilzuhaben an Lebensgeschichten, beides lässt mich auch Erfahrung damit sammeln, welche Narben Verletzungen hinterlassen können, ob von innen oder außen, psychischer oder physischer Natur.
Es gibt nichts, was ich mehr mag als Menschen, und es gibt nichts, was ich mehr fürchte, als das, wozu nur Menschen in der Lage sind. Es beeindruckt mich zutiefst, wenn Menschen, die alle Abgründe eines Menschenlebens durchwandern mussten, sich immer und immer wieder daran aufrichten, dass sie das, was ihnen angetan wurde, niemanden antun würden. Das macht mich ehrfürchtig und erfreut, auf dieser Welt zu sein.

Mein gesammeltes, intuitives Wissen verbindet sich schreibend. Deshalb schreibe ich in Therapiesitzungen mit, wenn ich Lebensgeschichten erzählt bekomme; fülle unzählige Blöcke mit Zitaten, wenn ich Bücher lese. Nach langen Spaziergängen – am liebsten durch kühlen Wald – wo sich aus meinen Gedanken Zusammenhänge formen, bringe ich diese nachher zu Papier.

Im Ausdrücken wirkt eine transformierende Kraft. Als Karin Dannecker in einem Vortrag den Steinbildhauer Knapp aus Frankfurt zitiert hat mit: “…am Ende ist ein Stück von mir im Stein, und ein Stück Stein in mir…” konnte ich das für mich übersetzen in: “Am Ende ist ein Stück von mir im Text und ein Stück Text in mir.” Was Ausdruck findet, wirkt auf die Persönlichkeit ein und umgekehrt. Das verstehe ich unter SelbstHeilKunst: wenn etwas, das von Innen her zu überfluten droht, zum Ausdruck kommen kann, eine Form findet, im besten Fall Basis für sinnvolles Handeln wird oder die Möglichkeit zur Reflexion eröffnet.
So wundert es nicht, dass die Idee ein Unum institute zu gründen, während einer Freischreibübung während eines Workshops im writers studio aufgetaucht ist.